Kulturführer Tamsweg
Kulturführer Tamsweg

Tamsweg einst und jetzt

Die ältesten Spuren der Tamsweger Geschichte führen zurück in die Zeit der slawischen Besiedlung des Lungaus vor 800 n. Chr. . Sprachgeschichtliche Forscher meinen, damals habe ein slawischer Sippenfürst mit dem Namen Dameche oder Domes die Siedlung gegründet. Etwa 2 Jahrhunderte danach geriet der Lungau mehr und mehr unter die Herrschaft der von Norden einwandernden Bajuwaren, die erste urkundliche Erwähnung stammt jedoch erst aus der Zeit um 1165, als der hochfreie Adelige Eberhard von der Drau ein Gut bei „Tamswich“ dem Salzburger Domkapitel schenkte. Nach den Herren von der Drau besaßen die Herren von Pettau (Ptuj), Dienstmannen des Salzburger Erzbischofs, den Kirchenweiler und bauten ihn mit der Anlage eines Marktplatzes zu einem Markt aus.

Der Markt

1246 erwarb der Erzbischof den Markt, der von da an zum größten Wirtschafts- und Verwaltungszentrum des Lungaus aufstieg. Nicht nur der Marktplatz mit dem Rathaus, sondern auch das Gebäude der Bezirkshauptmannschaft, ursprünglich als Kapuzinerkloster angelegt, und das Schloss der ehemaligen Grafen von Kuenburg in der Kirchengasse zeugen von der auf Jahrhunderte zurückblickenden Bedeutung Tamswegs. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts sind Marktrichter bezeugt, die vom Magistrat gewählt wurden und die niedere Gerichtsbarkeit ausübten.

Die Vereinigten

Aus der selben Zeit haben wir Nachrichten über die ersten Bürger in Tamsweg. Sie waren die Träger von Handel und Gewerbe. In Zünften, die unter anderem soziale Aufgaben für ihre Angehörigen und deren Familien versahen, waren sie organisiert. 1738 versammelten sich jene Berufsgruppen, die keine Zunft bildeten, in der Vereinigtenbruderschaft, und während sich das Zunftwesen nicht halten konnte, gibt es den Tamsweger Vereinigten noch heute. Aber nicht nur das Tamsweger Gewerbe schöpft aus seiner langen Tradition, sondern auch die zahlreichen Gastbetriebe, von denen einige bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts eigene Bierbrauereien unterhielten. Wen wundert es, dass sich Tamsweg heute noch durch seine besondere Gastfreundschaft auszeichnet?

Wallfahrtskirche

Auch kirchlich wurde Tamsweg seit dem späten Mittelalter immer bedeutender. 1231 noch Filialkirche der Pfarre Lungau, dem heutigen Mariapfarr, dürfte Tamsweg schon unter den Herren von Pettau vor 1246 zur Pfarre aufgestiegen sein. In späteren Jahrhunderten war Tamsweg Sitz des Archidiakonalkommissariats und danach des Dekanats. Die heutige prunkvolle Pfarrkirche wurde im Barock erbaut, ihr Fundament ruht jedoch auf einem gotischen und einem romanischen Vorgängerbau. Spätestens 1421 begann der Aufstieg Tamswegs als Wallfahrtszentrum. Eine wunderwirkende Leonhardstatue sorgte für die Errichtung einer Wallfahrtskirche. Der gotische Bau im Süden von Tamsweg verrät mit seiner kostbaren Ausstattung und seinen einzigartigen Glasfenstern seine einstige Ausstrahlung. Die Wallfahrt nach St. Leonhard zählte im späten Mittelalter zu den begehrtesten weit und breit.

Prunk

 Der Prunk des Barock wurde in Tamsweg vor allem von den Kapuzinern getragen, die zur Festigung des katholischen Glaubens hierher entsandt worden waren. Pompöse Schauwägen zeigten der Bevölkerung Szenen aus dem Alten Testament, und innerhalb der Schützenformation marschierte der Samson mit, eine Riesenfi gur aus Holz, deren Ursprünge im Dunklen liegen und deshalb gerne in der slawischen Vorzeit gesucht werden. Noch heute wird der Samson nach den Prozessionen herumgetragen. Die über 6 Meter hohe Figur ruht mit ihren ca. 95 kg auf den Schultern des einzigen Trägers.

Schul-, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des Lungaus

Ein historisches Ortsbild mit wertvollen Kulturgütern Tamsweg, das im Hochmittelalter vermutlich an die 500 Einwohner zählte, ist nach den Eingemeindungen der Landgemeinden in den 30er Jahren und vor allem seit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 auf ca. 6000 Einwohner angewachsen. Als Bezirkshauptort konnte sich Tamsweg auch als Schul-, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des Lungaus etablieren, das seit einigen Jahren auch mit einer geräumigen Parkgarage im Zentrum des Marktes den Besuchern attraktive Parkmöglichkeiten bieten kann. Das zum 60. Kaiserjubiläum 1908 eröffnete Franz Josephs – Spital wurde bis heute ständig erweitert und auf den neuesten Stand gebracht. Letztendlich hat der Markt mit seinem Fernheizwerk auf Hackschnitzelbasis eine nahezu europaweite Pionierarbeit geleistet.

Ein historisches Ortsbild mit wertvollen Kulturgütern

Aber trotz seiner infrastrukturellen Modernisierung haben die Tamsweger ihr historisches Ortsbild bewahrt, und als im Zuge des „Wirtschaftswunders“ der 50er und 60er Jahre viele Gemeinden wertvolle Kulturgüter modernen Funktionalbauten opferten, achtete man hier auf eine harmonische Verbindung zwischen Tradition und Funktionalität, was Tamsweg in den 90er Jahren zahlreiche Ehrungen einbrachte. Der „Europäische Dorferneuerungspreis“ 1996 und der Bundessieg im Klimabündnis – Wettbewerb „Ferien klima“ sind nur einige Beispiele für den Lohn jahrzehntelangen Vorausdenkens in der „klimafreundlichsten Gemeinde Österreichs“. Tamsweg blickt gerne auf sein kulturelles und historisches Erbe zurück: Bräuche und kulturelle Veranstaltungen nehmen immer wieder Bezug auf die Geschichte dieses Ortes. Unsere Gäste sind herzlich eingeladen, an den kirchlichen und weltlichen Festen teilzunehmen. Beschrieben werden unter anderem: Der Markt Die Vereinigten Wallfahrtskirche St. Leonhard Schul-, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des Lungaus Das historisches Ortsbild mit wertvollen Kulturgütern

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