Der Preber

Der Preber (2740 m) ist der dritthöchste Berg im Lungau und durch seine markante Gestalt und freie Lage fast im ganzen Lungauer Becken sichtbar. Das Gebiet um den Prebersee (1514 m) befindet sich bereits in der oberen Bergwaldstufe. Als vorherrschende Bäume gedeihen hier Fichte und Lärche. Letztere steigt gemeinsam mit der Zirbe über die Waldgrenze in die Kampfzone hinauf, wo einzelne vom rauen Klima gezeichnete Exemplare die Baumgrenze erreichen. Durch Rodung und Beweidung sind in der Bergwaldstufe Almwiesen entstanden, die uns mit ihrer reichen Blütenpracht erfreuen.

In der Krummholzstufe wachsen Legföhre (Latsche), Grünerle, Alpenrose (Almrausch), Heidelbeere, Preiselbeere u.a. Die alpine Grasheide wird von den widerstandsfähigsten Blütenpflanzen besiedelt, die das ganze Jahr über Stürmen und Schneefällen trotzen müssen. Ihre Vegetationszeit ist sehr kurz, dennoch entfalten Enzian, Steinbrech, Primel, Mohn, Glockenblume und noch viele andere eine enorme Blütenpracht. Die zart rosa blühende Gemsheide mit ihren winzigen Blättchen besiedelt oft flächendeckend jene Bergrücken, die am stärksten dem Wind ausgesetzt sind. Ihre verholzten Polster sind so dicht, dass kein Sturm sie durchdringen kann. So verhindert sie die Erosion und bietet kleinen Tieren sicheren Schutz. In den höchsten Lagen überleben nur noch Pionierpflanzen wie Moose und Flechten, die wie die Landkartenflechte ganz mit dem Felsen verschmelzen.

Entstehung der Moore

Das geologische Grundmaterial des Gebietes rund um den Prebersee besteht aus Glimmerschiefer und Gneisen mit vereinzelt auftretenden Adern aus paläozoischen Kalken. Diese Mischung aus Silikatgestein und Kalk lässt eine besonders reichhaltige Flora gedeihen. Aus dem Glimmerschiefer bilden sich tonige, wasserstauende Verwitterungsschichten, die nur wenige mineralische Nährstoffe freisetzen. In Verbindung mit dem kühlen Klima ist das die ideale Voraussetzung für die Entstehung von Mooren.

Höhenstufen der Pflanzenwelt

Von unten nach oben nimmt die jährliche Dauer der Vegetationszeit ab. Diese entspricht etwa der schneefreien Zeit und ist gekennzeichnet durch ein Tagesmittel der Temperatur von mehr als 5°C. Ausserhalb der Vegetationszeit nehmen die Pflanzen kein Wasser auf, so dass sie bei mangelndem Verdunstungsschutz vertrocknen (Frosttrocknis). Im Hochgebirge ist Schnee ein guter Verdunstungsschutz. Bei kurzer Vegetationszeit können Bäume nicht gedeihen, weil die Stoffproduktion nicht mehr ausreicht, um die Lebensvorgänge während des ganzen Jahres und weiteres Wachstum des Baumes zu sichern. Bei noch kürzerer Vegetationszeit ist die Stoffproduktion für das Wachstum von Sträuchern und großwüchsigen Kräutern zu gering.

Die Moore

Während der letzten Eiszeit (Würm-Glazial) reichte der Murgletscher bis in eine Seehöhe von mehr als 2000 m. Die Eisdecke hatte also im Lungauer Becken eine Dicke von über 1000 m. Nur die höchsten Gipfel, wie hier die Spitze des Prebers, ragten aus dem Eis heraus und behielten ihre schroffe Form. Alles, was unter den mächtigen Eismassen lag, wurde durch ihre Fließbewegung rund geschliffen. So entstanden die langen Rücken der Berge und die sanften Geländeformen. An den Hängen schürfte der Gletscher aus dem weicheren Untergrund Mulden aus, die sich während des Schmelzprozesses, der vor ca. 13.000 Jahren einsetzte, mit Wasser füllten. Zahlreiche Alpenseen sind auf diese Weise entstanden. Die Verlandung solcher nacheiszeitlicher Seen führte häufig zur Bildung von Mooren.

Vegations- und Klimageschichte

Seit dem Ende der letzten Eiszeit (Würm-Glazial) sind in den Mooren Klimageschichte und Vegetationsgeschichte, ja sogar unsere Kulturgeschichte gespeichert. Da Pflanzen- und Tierreste im Torf infolge des Sauerstoffmangels konserviert werden, liefern vor allem die verschiedengestaltigen Pollen von Blütenpflanzen sowie Sporen von Moosen und Pilzen mit ihren widerstandsfähigen Hüllen eine genaue Chronologie der Vegetation. So kann man anhand von Bohrkernen aus den Mooren die gesamte Klimageschichte und somit die Entwicklung der Wälder seit der letzten Eiszeit nachvollziehen. Bei einem Höhenzuwachs des Torfs von ca. 1 mm im Jahr, wie er unter den hiesigen klimatischen Bedingungen stattfindet, erzählt 1 m Torf die Geschichte von 1000 Jahren. Bei entsprechenden Torftiefen erkennt man deutlich den Wechsel von Kälte- und Wärmeperioden seit dem Ende der Eiszeit. Auch der erste Einfluss des Menschen, der hier bereits vor 4500 – 5000 Jahren (also im Spätpaläolithikum) gerodet und Getreide angebaut hat, ist, wie entsprechende Bohrungen am Dürrenecksee und auf dem Sauerfelder Berg ergeben haben, in den Torfschichten deutlich abzulesen.