Dass wir uns einer friedlichen Zeit und eines entwickelten Gesundheitssystems erfreuen dürfen, ist ein Privileg der jüngeren Geschichte in der westlichen Welt. Die Geschichte zeigt aber auch ganz andere Bilder. Not, Seuchen und Tod waren ein wesentlicher Bestandteil der früheren Alltagswelt. Die Votivbilder in den Wallfahrtskirchen erzählen Geschichten von persönlichem Unglück, von der Hilflosigkeit der Menschen angesichts der übermächtigen Natur, vom Vertrauen auf übermenschliche Hilfe und vom Dank über die Rettung aus schwierigen Situationen oder Krankheiten. Naturkatastrophen und Seuchen standen die Menschen früher zumeist hilflos gegenüber. So erfahren wir über ein Erdbeben im Jahr 1201, das einen großen Teil der Lungauer obdachlos machte. Angesichts schrecklicher Seuchen, wie die Pestwellen vom 14. bis ins 18. Jahrhundert, tritt die Ohnmacht der Bevölkerung besonders zutage, da derartige Krankheiten auch vor Medizinern und Badern nicht halt machte. So verlor der Bader Joachim Zeller während der Pest von 1625 seine Frau, zwei seiner Kinder und seine Magd. Er selbst stand aufgrund der angefallenen Pflegekosten vor dem finanziellen Ruin - ein Beispiel von unzähligen.

Große Brände in Tamsweg

Besondere Gefahren barg jedoch auch der Umgang mit dem Feuer, kombiniert mit der damaligen Holzbauweise. Das offene Feuer war Bestandteil des täglichen Lebens: beim Kochen, als Lichtquelle, zum Heizen. Eine kleine Unachtsamkeit konnte den halben Markt in Schutt und Asche legen. Der große Brand von 1742, bei dem der halbe Marktplatz bis weit in die Kirchengasse hinein zugrunde ging, nahm seinen Anfang in einer Badstube. Der letzte Großbrand von 1925 wurde durch Kinderspielereien verursacht. Der Umgang mit diesen Brandkatastrophen lässt erahnen, weshalb dem Ausbau des Feuerwehrwesens eine derartige Wichtigkeit beigemessen wurde und wird.

Kriege

Wir dürfen es als Gnade ansehen, in Frieden leben zu dürfen. Doch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde auch Tamsweg immer wieder in kriegerische Ereignisse gezogen. Besonders im 15. Jahrhundert spitzte sich die politische Lage für Tamsweg zu. Zuerst begegnete die Bürgerschaft der Angst vor den Türken mit dem Ausbau der Leonhardskirche zu einer Wehrkirche mit einer Befestigungsmauer. Diese Befestigung machten sich ungarische Einheiten im Krieg des Matthias Corvinus gegen Kaiser Friedrich III. zunutze. Zehn Jahre lang stand St. Leonhard unter ungarischer Besatzung, die Heerführer sind als Bruderschaftsmitglieder verewigt. 1490 schließlich ließ Kaiser Friedrich III., selbst ein Mitglied der Corporis Christi und St. Leonhards-Bruderschaft, den Markt Tamsweg einäschern. Der Beginn des 19. Jahrhunderts dürfte wohl eine der unruhigsten Zeiten für Tamsweg und für das gesamte Land Salzburg gewesen sein.

Der Markt wurde zwar nicht Kriegsschauplatz während der napoleonischen Kriege, wurde jedoch kurzfristig von durchziehenden Franzosen besetzt und musste 4.500 Gulden als Brandschatzung zahlen. (Achtung: Unter einer Brandschatzung versteht man nicht die Einäscherung eines Ortes, sondern eine Geldzahlung, um ein Niederbrennen zu verhindern!) Natürlich bedeutete die Plünderung des Gebietes eine große Plage für die Bevölkerung, doch bescheinigt ein Seetaler Vikar, der als Zeitzeuge seine Beobachtungen aufgeschrieben hat, den Franzosen kein schlechtes Zeugnis, da Gewaltakte der eigenen Soldaten nicht geduldet wurden.

Der auf diese Kriege folgende Friede von Luneville zog nachhaltige Folgen für Salzburg nach sich. Nach der Auflösung des eigenstaatlichen Fürsterzbistums, nach mehrmaligen Wechseln der Landesherren (Ferdinand von der Toscana, Habsburg, Bayern) und nach der endgültigen Angliederung Salzburgs an Österreich versank das Land in der Bedeutungslosigkeit. Armut, Bevölkerungsrückgang und Entwicklungsdefizite prägten das 19. Jahrhundert und trafen den Lungau besonders hart, vor allem die Landregionen. Auch in den beiden Weltkriegen blieb der Lungau von Kampfhandlungen verschont. Doch erfasste der Krieg die gesamte Bevölkerung: Kriegswitwen und Waisen waren zu versorgen. Eine Möglichkeit dazu bot in Tamsweg der von Pfarrer und Bildhauer Josef Mühlbacher geschaffene „Eiserne Mann“. Eine Art Samsonfigur, die gegen eine Spende benagelt werden konnte. Die Figur steht heute im Tamsweger Rathaus.

Der 2. Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg mussten 202 Tamsweger ihr Leben an der Kriegsfront lassen. Allerdings blieb auch hier der Markt vom direkten Kriegsgeschehen verschont, lediglich bei Kriegsende wurde er zum Rückzugsgebiet der Wehrmacht, vor allem der Kriegskavallerie. Mit dem Eintreffen der britischen Besatzungsmacht, die im Juni 1945 den Amerikanern wich, sammelten sich an die 70.000 Wehrmachtssoldaten und ca. 16 000 Pferde sechs Wochen lang im Lungau, bis sie nach Norden über den Radstädter Tauern abziehen konnten. Ungewohnt für Tamsweg war die frühe Nachkriegszeit für Tamsweg auch deshalb, weil der Ort im Osten an der Demarkationsgrenze zur britischen Steiermark lag und Seetal somit wieder einmal zum Grenzort wurde. Seither herrscht gottlob Frieden im Land.